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VCS zum Projekt «Durchmesserlinie» Appenzeller Bahnen

Das Kind mit dem Bad ausschütten?

St. Gallen, 03. Juni 2010. Der Quartierverein Riethüsli ist zu recht unzufrieden mit dem vorgelegten Projekt für den Riethüslitunnel der Appenzeller Bahnen. Anstatt sich konsequent für die notwendigen Verbesserungen einzusetzen, will man das Projekt nun mit einer aussichtslosen Petition zum Scheitern bringen.

Zwei Elemente des als Südschaukel bezeichneten Projektes haben zu grossem Unmut im Quartier
geführt:

  • Erstens hat man das Tunnelportal mitten ins Quartier gelegt. Die lange Einfahrrampe würde das Riethüsli in seinem Zentrum in zwei Teile schneiden.

  • Zweitens soll während der Bauzeit für eineinhalb Jahre der gesamte Verkehr durch die Wohnquartiere geleitet werden.

Beides ist inakzeptabel.

Jetzt ist der Quartierverein Riethüsli allerdings einem selbsternannten „Verkehrsexperten“ aufgesessen, der den Quartierverein für sein ersönliches Ziel instrumentalisiert, mit seinemWagen möglichst ungehindert in die Stadt zu fahren. Der Quartierverein hat dessen Forderung übernommen und setzt sich für einen Strassentunnel zwischen dem Autobahnanschluss Kreuzbleiche und der Stadtgrenze ein. Er verspricht sich davon, den Verkehrsstaus im Riethüsli und auf der St.Leonhardsbrücke damit beizukommen.

Und noch ein Tunnel und noch ein Tunnel

Allein in der Stadt St.Gallen gibt es mehr als 20 Verkehrsmessstellen an Strassen, die mit über 10'000 Fahrzeugen pro Tag ähnlich hoch belastet sind wie die Teufenerstrasse. Und an jeder dieser Strassen leben Menschen die genau so unter dem Verkehr leiden. Wollte man jede dieser Strassen mit Umfahrungstunnels entlasten, so müsste der Bund seine gesamten Mittel für den Agglomerationsverkehr in St.Gallen „verlochen“.

Aber das ist vermutlich zu weit gedacht. Da schaut man lieber nur auf sich. Habe ich mein Tunnel, gehen mich die Probleme der anderen nichts mehr an.

Die Kosten des Vorschlags sind viel zu optimistisch geschätzt und einige Elemente sind technisch nur mit unverhältnismässig hohem Aufwand umsetzbar. Aber stellen wir uns mal vor, es ginge irgendwie doch. Was wären die Folgen?

Wohnen im steuergünstigen Teufen - Arbeiten, Einkauf und Ausgang in der Stadt. Die Reise mit dem öffentlichen Verkehr würde unattraktiver, die Fahrt mit dem eigenen Auto dafür schneller und bequemer. Als Folge würde der Individualverkehr noch weiter zunehmen. Während der Verkehr im Riethüsli dank eines solchen Tunnels etwas abnehmen würde (ein erheblicher Teil des Verkehrs ist hausgemacht, er wird deshalb nicht verschwinden), würden die angrenzenden Quartiere noch mehr belastet.

Die Petition sei nicht gegen das Bahnprojekt der Südschaukel gerichtet, sagt Quartiervereinspräsident Kundert im Tagblatt. Dabei lässt sich der Vorschlag technisch nur umsetzen, wenn der Bahnbetrieb zwischen St.Gallen und Lustmühle, und in der Folge wohl auf der ganzen Strecke, eingestellt wird. Entweder hat man den Vorschlag gar nicht gelesen oder man verfolgt hier ein doppeltes Spiel.

Das Kind mit dem Bade ausschütten?

So war das Editorial in einer der letzten Ausgaben der Riethüsli Zeitung betitelt. Mit seiner Petition riskiert der Vorstand des Quartiervereins nun genau dies. Anstatt sich konsequent und hart für die notwendigen Verbesserungen des vorliegenden Projektes einzusetzen, hängt man unrealistischen und weltfremden Wunschträumen nach und gefährdet damit das einzige Projekt, welches gute Chancen auf eine Realisierung hat. Der Verkehrsclub der Schweiz (VCS) verwirft die Idee einer weiteren Tunnelumfahrung in St.Gallen als unsinnig und unbezahlbar. Die Förderung des motorisierten Verkehrs aus dem Appenzellerland ist für ihn grundfalsch. Richtig ist die von den Behörden angestrebte Verbesserung des Bahnangebots aus Richtung Appenzell-Teufen.

Weiterführende Informationen:

Link

 

Durchmesserlinie: Schon so etwas wie ein Tram für St.Gallen: VCS-Lokal Juni 09

Link

VCS begrüsst das Projekt Durchmesserlinie
März 2007

Link

Interpelation Kundert: Verkehrsachse Teufen – St.Gallen, Riethüsli-Tunnel
anders (Antwort Stadtrat August 2004)

Durchmesserlinie