Zur Auslastung der St.Galler Tiefgaragen:

Die Mär der zu knappen Parkplätze

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St. Gallen, 28. August 2006. Die Stadt St.Gallen verfügt heute über 2600 öffentliche Abstellplätze. Aber wie steht es um deren Auslastung? Ist die Stadt an freiem Parkraum so arm dran, wie es zurzeit auch im Stadtratswahlkampf behauptet wird?

www.pls-sg.ch

Parkplätze in der Innenstadt

VCS zum Vorschlag Parkhaus Marktplatz

Bild: Auslastung am
15. Dezember 2005

Selbst an Tagen mit einer Spitzen-Auslastung beschränkt sich der Engpass mit weniger als 100 freien Plätzen auf gerade mal zwei Stunden

Der VCS wollte es genau wissen. Verschiedentlich hat sich der VCS erfolglos nach einer Statistik zur Auslastung der Parkgaragen erkundigt Dabei wären genau diese Daten interessant in der Diskussion über neue Parkhäuser und das «Wie weiter» in der städtischen Verkehrspolitik. Der VCS gibt jedoch nie so schnell auf und hat sich Auslastungszahlen mit einem Internetskript von der Homepage www.pls-sg.ch beschafft. Zwischen Ende Oktober 2005 und Ende April 2006 wurden zu jeder Viertelstunde die verfügbaren freien Parkplätze abgefragt. Dabei kam es nur an 16 Tagen zu Werten von weniger als 100 freien Parkplätzen. An zwei Tagen (Freitag, 9.12. sowie Donnerstag, 15.12.) sank diese Zahl  kurzzeitig auf unter 20. Der letztjährige Sonntagsweihnachtsverkauf fand am 11. und 18. Dezember statt. Beide Tage schafften es nicht in die «Hitparade» des knappsten Parkplatzangebots! Am 11. Dezember lag der tiefste Wert an verfügbaren Parkplätzen um 13:45 Uhr bei noch 345. Am 18. Dezember gab es um 15:00 Uhr noch 272 freie Parkplätze.

Die Innenstadt stellt mit ihren rund 275 Geschäften das grösste und wohl auch attraktivste Einkaufszentrum der Region dar. Bis auf wenige Spitzenstunden pro Jahr ist das Parkierungsangebot ausreichend.

Die heute gegen 2600 Abstellplätze werden in den nächsten Jahren auf über 3000 erweitert. So stehen ab Herbst 2007 rund 160 zusätzliche Parkplätze in der Webersbleiche zur Verfügung. Bis Ende 2009 kommen über 100 öffentliche Parkplätze im Kongresszentrum Einstein dazu. Und ab 2010 ist mit der Eröffnung der Fachhochschule beim Bahnhof zu rechnen, für die zurzeit 240 weitere Parkplätze vorgesehen sind. Ein Ausbau des Parkplatzangebots für nur wenige Spitzentage por Jahr macht wirtschaftlich keinen Sinn und würde die Auslastung bestehender Parkhäuser reduzieren.

Grund zum Jammern über fehlende Parkplätze besteht also wahrlich nicht. In seiner Antwort zum Postulat für die Einführung eines City-Shuttles (Ringbus um die Altstadt St.Gallen) kam der Stadtrat zum Schluss, dass die Einkaufsgelegenheiten in der südlichen und nördlichen Altstadt «weitestgehend im 5-Minutengehbereich einer Bushaltestelle liegen.» Was für die Benutzer des öffentlichen Verkehrs gilt, das darf auch der motorisierten Kundschaft zugemutet werden. Zu Spitzenzeiten immer einen freien Parkplatz unmittelbar vor einer Ladentür vorzufinden, ist eine so überzogene Forderung wie ein Sitzplatz im VBSG-Trolley während den zehn Tage dauernden OLMA-Messe.

Verglichen mit anderen Schweizer Städten weisst St.Gallen einen hohen Anteil an motorisiertem Verkehr auf. Das bietet den VBSG die Chance zum Aufholen: Mehr Fahrkomfort (Niederflur, Klimaanlage, grösseres Sitzplatzangebot, Fahrgastinformationssysteme an den Haltestellen), sondern auch mit einer Ausweitung des Fahrplanangebots. Aufzuholen gilt es auch beim Passagieraufkommen: Im vergangenen Jahr transportierten die VBSG 22,9 Mio. Fahrgäste - im Jahr 1990 waren es noch 23,1 Mio. Wenn jemand Grund zum Jammern hat, dann sind es die Kunden des öffentlichen Verkehrs!

Den Markt spielen lassen

Als mögliche Lösung für die an wenigen Tagen und zu wenigen Stunden (zwischen 14:00 bis 17:00 Uhr) knappe Parkplatzzahl schlägt die VCS Ortsgruppe ein flexibles, nachfragegesteuertes Parkpreis-System vor. Wie in anderen Bereichen auch könnte damit der Markt seine regulierende Wirkung entfalten. Weiter fordert der VCS Transparenz bei den Auslastungszahlen aller im Parkleitsystem eingebundenen Parkplätze. Die Geheimniskrämerei muss ein Ende haben.