Rapperswil, 14. Februar 2006: Schon im
November, bevor Feinstaub zum Medienthema geriet, startete die VCS-Regionalgruppe
bei den Gemeindebehörden des St. Galler Linthgebietes eine Umfrage
zum Thema Russpartikelfilter. Nun liegen die Antworten vor. Die Behörden
sind vor allem bei Neuanschaffungen von Gemeindefahrzeugen willens, diese
mit Russpartikelfilter auszurüsten. Bis alle Fahrzeuge durch neue
ersetzt sind, wird es aber noch lange dauern. Auch die Kantonsbehörden
tun sich mit der Umsetzung von Massnahmen gegen den gesundheitsschädlichen
Feinstaub schwer.
Der Ausstoss von gesundheitsgefährdenden Kleinstpartikeln wurde
diesen Winter mit den lange andauernden Hochdrucklagen zum grossen Problem.
Kein Wind verteilte die gefährlichen Stoffe, kein Regen wusch sie
aus. Halbherzig wurden teilweise Massnahmen ergriffen. Das Problem des
Feinstaubes ist mit dem Wetterwechsel aber nicht verschwunden. Regelmässig
wird der Grenzwert überschritten. Holzfeuerungen und Verkehr gehören
mit zu den Verursacher des Feinstaubes.
Alle Werkhof-Fahrzeuge ohne Partikelfilter
Die Regionalgruppe See und Gaster des Verkehrs-Club wollte von den Gemeinden
im Linthgebiet wissen, ob sie in Sachen Feinstaub ihre Verantwortung und
eine Vorreiterrolle übernehmen. Von sechzehn angefragten Gemeinden
antworteten sieben. Da alle grossen Gemeinden antworteten, sind wesentliche
Aussagen trotz des geringen Rücklaufes möglich. Die Resultate
sind ernüchternd: Praktisch kein Dieselfahrzeug im Besitze der Gemeinden
ist mit einem Partikelfilter ausgerüstet: von den 30 Werkhof-Fahrzeugen
keines; von 33 Feuerwehrfahrzeugen sind es deren zwei und bei den fünf
erfassten Schulbussen fahren immerhin drei mit Filter.
Handlungsbedarf erkannt
In den Gemeinden ist aber eine hohe Bereitschaft zu erkennen, dies zu
ändern. Auch wenn die Nachrüstung bestehender Dieselfahrzeuge
in vier Gemeinden nicht geplant ist, sollen in allen Gemeinden neu anzuschaffende
Fahrzeuge über Filter verfügen. Bei der Langlebigkeit solcher
Fahrzeuge wird sich das Verhältnis aber nur langsam ändern.
Schon heute verlangen die Behörden bei der Vergabe von Konzessionen
im öffentlichen Verkehr (Buslinien) mehrheitlich, dass diese mit
Partikelfilter-Fahrzeugen betrieben werden müssen. Im Weiteren erwähnenswert
und zur Nachahmung empfohlen die Gemeinde Uznach, welche in Zukunft bei
der Vergabe von Bauaufträgen Firmen mit schadstoffarmen Maschinen
besser bewertet. Die Regionalgruppe erwartet von der Umfrage auch diejenigen
Gemeindebehörden sensibilisiert zu haben, welche nicht antworteten.
Dies zum Wohle der Gesundheit der Einwohnerinnen und Einwohner des Linthgebietes.
Zögerliche Kantonsbehörden
Tempo 80 auf Autobahnen wurde im Kanton St.Gallen nicht verordnet, obwohl
die Feinstaubwerte weit über dem Grenzwert lagen. Der Baudepartements-Sekretär
betitelte die Massnahme als „blinder Aktivismus“, empfahl
aber den Verzicht des Autos, da jede eingesparte Fahrt seinen Teil zur
Entschärfung beitrage. Gerade die Tempo 80-Beschränkung hätte
der Bevölkerung den Ernst der Lage aufgezeigt. So wären sicher
mehr Fahrten nicht gemacht worden. Der Kanton hat es verpasst ein Zeichen
zu setzen. Nächste Woche entscheidet der Kantonsrat über eine
Motion des grünen Kantonsrates Urs Bernhardsgrütter: Mit einem
Bonus-/Malus-System soll der Anreiz für die Beschaffung von Dieselfahrzeugen
mit Russpartikelfilter - gegenüber solchen ohne Filter - erhöht
werden. Die VCS-Regionalgruppe unterstützt diese Motion. Damit würden
russige Dieselmotoren schneller der Vergangenheit angehören und Fahrzeuglenker,
Velofahrer, Fussgänger und Anwohner könnten gesündere Luft
einatmen. Denn die Grenzwerte wurden in den letzten Tagen bereits wieder
überschritten!

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VCS fordert Sofortmassnahmen
2. Februar 2006
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Was ist Feinstaub?
Feinstäube bestehen aus Partikeln mit einem Durchmesser von unter
10 Tausendstelmillimetern. Sie können tief in die Lunge eindringen,
die kleinsten sogar bis in die Blutbahn.
Bekannt unter dem Namen PM10 gelangen sie in zwei Formen in die Luft:
als Primärpartikel, wenn sie von Verbrennungsvorgängen in Industrie,
Haushalten und Verkehr herrühren, und als Sekundärpartikel,
wenn sie sich erst in der Luft aus gasförmigen Vorläufersubstanzen
bilden.
Einige der in Feinstäuben enthaltenen chemischen Verbindungen, so
die kanzerogenen Russpartikel, sind stark gesundheitsschädigend.
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