St. Gallen, 2. Februar 2006. Auch die Stadt
St. Gallen leidet unter zu hohen Feinstaub-Werten in der Luft. Nicht die
aktuelle Wetterlage ist aber Ursache für die dramatisch gestiegene
Luftbelastung in der ganzen Schweiz. Der Grund liegt vielmehr in der mangelnden
Durchsetzung gültiger Umweltgesetze.
Die VCS-Sektion St. Gallen/Appenzell fordert Behörden und Politik
dazu auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen und allenotwendigen Massnahmen
zu ergreifen. Im letzten Monat wurde der Grenzwert der Luftreinhalteverordnung
für Feinstaub von 50 µ/m2 an nicht weniger als 13 Tagen überschritten.
Zulässig wäre eine einmalige Überschreitung. Das maximale
Tagesmittel lag im Januar bei 110 µ/m2 und damit um mehr als den
Faktor zwei zu hoch! Dass die LRV-Grenzwerte nicht eingehalten werden
ist keine neue Erkenntnis. Während die Medien im Sommer über
zu hohe Ozon-Werte berichten, ist es im Winter der Feinstaub. Die Schädlichkeit
von Feinpartikeln ist in zahlreichen Studien erwiesen. In der Schweiz
sterben jährlich
zwischen 3000 und 4000 Menschen frühzeitig an den Folgen der Luftverschmutzung.
Feinstaub tötet!
Die Schadstoffbelastung der letzten Tage und Wochen gehört jedoch
nicht zum natürlichen Winterwetter, sondern ist das Ergebnis eines
mangelnden Problembewusstseins auf allen politischen Ebenen. So haben
die Verkehrsbetriebe der Stadt St. Gallen den Ersatz ihrer überalteten
Dieselbusflotte jahrelang verschlafen. Erst auf 2007 ist Besserung in
Sicht.
Der VCS St. Gallen/Appenzell ruft die Ostschweizer Kantonsregierungen
dazu auf, sich der Forderung der Kantone Zürich und Bern nach Tempo-80
auf Autobahnenanzuschliessen. Weiter schlägt der VCS vor, in Zeiten
überschrittener Luftgrenzwerte verbilligte «Feinstaubtageskarten»
des Tarifverbunds Ostwind abzugeben. Nur ein massives Umsteigen auf den
öffentlichen Verkehr vermag kurzfristig die Schadstoffbelastung in
der Luft zu reduzieren. Kurzfristige Massnahmen wie Fahrverbote für
Lastwagen ohne Partikelfilter, Tempobeschränkungen oder Malussteuern
für filterlose Fahrzeuge vermögen das Problem zu hoher Schadstoffwerte
in der Luft jedoch nicht dauerhaft zu lösen. Noch immer fehlt es
am politischen Willen, mit geeigneten Massnahmen für eine nachhaltige
Verkehrspolitik und damit auch eine Reduktion des motorisierten Verkehrs
zu sorgen. Der VCS wird sich darum auch in Zukunft konsequent für
die Einhaltung geltenden Umweltrechts einsetzen

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Was ist Feinstaub?
Feinstäube bestehen aus Partikeln mit einem Durchmesser von unter
10 Tausendstelmillimetern. Sie können tief in die Lunge eindringen,
die kleinsten sogar bis in die Blutbahn.
Bekannt unter dem Namen PM10 gelangen sie in zwei Formen in die Luft:
als Primärpartikel, wenn sie von Verbrennungsvorgängen in Industrie,
Haushalten und Verkehr herrühren, und als Sekundärpartikel,
wenn sie sich erst in der Luft aus gasförmigen Vorläufersubstanzen
bilden.
Einige der in Feinstäuben enthaltenen chemischen Verbindungen, so
die kanzerogenen Russpartikel, sind stark gesundheitsschädigend.
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