Ortsdurchfahrt Gossau

Stadtentwicklungskonzept Gossau:

Auf ausgetretenen Pfaden

Links:

Die Stellungnahme des VCS (Pdf)

VCS: keine neue Südspange Gossau (September 2004)

Gossau, 18. 11. 2005: 1998 hat die Gossauer Bevölkerung mit satten 85 Prozent ein Projekt für einen Kerntunnel beerdigt. Nun werden im Rahmen des Stadtentwicklungskonzeptes erneut Pläne für Umfahrungen und neue Strassen gewälzt.

Wie bereits im Abstimmungskampf zum Kerntunnel lehnt der VCS neue Durchfahrtsachsen ab und fordert im Rahmen seiner Vernehmlassung zum Stadtentwicklungskonzept Gossau stattdessen Sofortmassnahmen auf dem bestehenden Strassennetz. Hingegen begrüsst der VCS die geplante Verbesserung beim öffentlichen Verkehr (ÖV) sowie beim Staumanagement und hofft auf zusätzliche Massnahmen zugunsten des Langsamverkehrs.

Die angestrebte Aufwertung des Dorfkerns zwischen Gröbliplatz und Coop mit Koexistenz aller Verkehrsarten, die Verbesserung der Aufenthaltsqualität und Verkehrssicherheit durch Reduktion der Fahrbahnbreiten ist bestimmt die richtige Antwort. Beispiele im In- und Ausland zeigen die Wirksamkeit dieser Massnahmen. Gossau hat aber zwischen Mettendorf, Niderdorf, Fennhof und Eichen rund 5 km Kantonsstrassenachsen, die es – mit Umgestaltungen auf grösseren Abschnitten im Sinne der Koexistenz – ebenfalls aufzuwerten gilt.

Neue Achsen sind kontraproduktiv

Die im Konzept vorgesehenen neuen Achsen vermögen nicht zu überzeugen. Sie verlagern den Verkehr an Orte, wo er nicht weniger stört, und rufen – zu Ende gedacht – nach weiteren Strassen. Das Ansinnen, Busbahnhof, Velofahrer- und Fussgängerstrom beim Bahnhof durch eine neue Strasse abzuschneiden, ist vollumfänglich abzulehnen. Doch auch die Variante a: Poststrasse-Quellenhofstrasse führt zu Konflikten in Wohngebiet, bei den Querungen des Langsamverkehrs, dem Knoten Ringstrasse/Herisauerstrasse und wird zudem eine zusätzliche Trennwirkung entfalten. Die grossräumige Umfahrung entlang der Bahnlinie (Kernprojekt 3) schliesslich ist mit immensen Kosten bei fraglichem Nutzen verbunden; sie vermöchte die Problematik des hausgemachten Verkehrs auch nicht annähernd zu lösen.

15-Minuten-Takt, massiv mehr Passagiere

Begeistert ist der VCS darüber, dass das Stadtentwicklungskonzept auf einen Viertelstundentakt im öffentlichen Verkehr hinzielt. Zusätzlich zu einem attraktiven Fahrplan schlagen wir weitere Massnahmen vor, um die ÖV-Akzeptanz und das Umsteigen zu fördern. Als Zielgrösse soll eine Verdoppelung der Fahrgastzahlen bis 2010 gelten.
Vom vorgeschlagenen Verkehrs- und Staumanagement sind keine Wunder zu erwarten. Da es sich in Gossau grösstenteils um «hausgemachten» Binnenverkehr handelt, werden Dosier- und Pförtnersysteme nur beschränkte Wirkung entfalten können. Gossau besitzt mit der A1 eine Umfahrungsmöglichkeit, Ziel eines Verkehrsmanagementsystems muss die Verlagerung von möglichst viel motorisiertem Durchgangsverkehr auf diese Achse sein. Zwingend sind deshalb flankierende Massnahmen, die das Ausweichen des Autoverkehrs durch Quartiere verhindern, den ÖV an allen Dosierstellen klar priorisieren und den Velofahrenden mittels Radstreifen die Vorfahrt entlang der Autokolonnen ermöglichen.

Unterschätzter Langsamverkehr

Eine durch die Gossauer Fachgeschäfte in Auftrag gegebene Umfrage aus dem Jahre 1999 zeigt, dass rund 60 Prozent der Einwohnerschaft für die Einkäufe in Gossau zu Fuss, mit dem Velo oder dem Bus unterwegs sind – und nur 38 Prozent mit dem Auto. Der VCS hofft, dass die grosse Bedeutung des Langsamverkehrs für die Stadtentwicklung erkannt und in ein Kernprojekt zur Förderung des Velo- und Fussverkehrs münden wird.