VCS fordert verzicht auf monströse Autobahn in Herisau

keine Schnellstrasse zum Säntis

St. Gallen, 26. September 2002. Die Projektorganisation ist beispielhaft, das Informationskonzept hervorragend. Was der Verkehrs-Club während Jahren in einer Begleitgruppe hat begleiten dürfen, ist trotz guter Vorzeichen zu einer monströsen Sache geworden. Die tatsächlich existierenden Herisauer Verkehrsprobleme rechtfertigen eine 336 Mio teure Schnellstrasse nicht. Der VCS fordert den Verzicht auf die Schnellstrasse und die Rückbesinnung auf das Siegerprojekt Yntegral.

Die Pläne aus dem Baudepartement Appenzell Ausserrhoden machen fassungslos. Staatspolitische Gründe sollen den Mangel an sachlicher Notwendigkeit wettmachen. Die Schnellstrasse wird so grosszügig konzipiert, dass sie das Verkehrswachstum der nächsten 40 Jahre aufnehmen kann. Dem am Horizont auftauchenden Problem bei der Weiterreichung des Verkehrs an das nachfolgende Dorf Waldstatt wird mit einer weiteren Umfahrung in der nächsten Generation begegenet. Strassen, was das Zeug hält. Der Bund soll richten und zahlen, was der Kanton selber nicht vermag. Dabei gilt das Prinzip Hoffnung, denn auf Bundesebene sind für den Bau der Umfahrung noch keine wichtigen Voraussetzungen erfüllt. Über die Aufnahme ins Nationalstrassenprogramm wird das Parlament in drei Jahren entscheiden, und ob der neue Finanzausgleich so kommt, wie vom Regierungsrat A.Rh gewünscht, steht noch in den Sternen. Das Risiko, dass in drei Jahren das Ansinnen abgelehnt wird, ist nicht zu unterschätzen. Noch gilt die Devise des Bundesrates, dass vor neuen Begehren das bewilligte Nationalstrassenprogramm gebaut wird. Und es wird in Bern auch später wenig Sinn machen, einen Kilometer neben dem dannzumal vollausgebauten Anschluss Winkeln einen weiteren Anschluss zu realisieren. Die Solidarität der Ostschweizer Kantone auf Bundesebene darf in diesem Fall nicht spielen. Eine neue Strasse muss sachlich, nicht staatspolitisch begründet sein.

Zur Sache

Das Appenzellerland ist mit mehreren gut ausgebauten Strassen schon heute sehr gut an das Nationalstrassennetz angebunden. Mit dem Vollausbau in Winkeln erhält das Appenzeller Hinterland weitere Verbesserungen. Der Ortskern von Herisau wird bereits umfahren. Der Ausflugsverkehr am Sonntag sowie der Pendlerverkehr morgens und abends führt zu kurzfristigen Stausituationen. Die Alpsteinstrasse muss einen beträchtlichen Verkehr bewältigen, in Spitzenzeiten bis zu 20'000 Autos. Der VCS bestreitet nicht, dass Verkehrsprobleme bestehen und Lösungen gefunden werden müssen. Die tatsächlich existierenden Verkehrsprobleme rechtfertigen eine 336 Mio teure Schnellstrasse unserer Ansicht nicht. Weil Velos, Mofas und landwirtschaftliche Fahrzeuge diese nicht benutzen dürfen, müssen gleichzeitig weitere Strassen ausgebaut werden. Die verschiedenen Auf- und Abfahrten führen zu Wertverminderung von Liegenschaften Neue Lärmprobleme müssen mit aufwendigen Schutzmassnahmen angegangen werden. Der öffentliche Verkehr, auch der Ausflugsverkehr wird enorm konkurrenziert.

Rückbesinnung auf Lösung Yntegral

Der VCS fordert den Verzicht auf eine Schnellstrasse und die Rückbesinnung auf das Siegerprojekt Yntegral. Die Regie und die Entscheidungsfähigkeit bleibt damit beim Kanton. Die Strassen bleiben Lebensadern für BewohnerInnen und Gewerbe. Die Koexistenz von Autos, Bussen, Velos und Fussgängerinnen wird angestrebt. Mit Pförtneranlagen wird der Verkehr dosiert. Mit gezielten Lärmschutzmassnahmen werden vom Lärm geplagte AnwohnerInnen geschützt. Eine Verstetigung des Verkehrs auf niedrigem Geschwindigkeitsniveau verhindert Unfälle und Stau. Das Siegerprojekt Yntegral hat dazu tragfähige Ansätze aufgezeigt, welche es zu nutzen gilt.

Margot Benz

Veränderte Ziele

Die Projektorganisation des Verkehrsraum Herisau, die sich vor vier Jahren mit der 1. Infozeitung vorstellte ist beispielhaft, das Informationskonzept hervorragend. Was der Verkehrs-Club als Interessengruppe während Jahren mit anderen zusammen hat begleiten dürfen, ist trotz guter Vorzeichen zu einer monströsen Sache geworden. Von den ursprünglichen Zielen des Projektes "Umfahrung" wird heute keines mehr erwähnt. Vor vier Jahren waren "die Einbindung des Zentrums von Herisau" oder "die Attraktivitätssteigerung möglichst gering halten" wichtige Ziele, heute steht oben an die "Anbindung an die A1" und die "Erhaltung der Leistungsfähigkeit der Durchgangsachse".

Sofortmassnahmen sind wichtig

Die unmissverständliche Richtungsänderung in der Herisauer Verkehrsplanung bedeutet, dass mit dem Bau der Umfahrung - wenn überhaupt - noch lange nicht begonnen werden kann. In der Zwischenzeit werden in fünf Arbeitsgruppen Sofort-Massnahmen auf dem bestehenden Strassennetz geprüft. Der VCS begrüsst diese Massnahmen, insbesondere auch den Teilbereich Mobilitätsmanagement. Andernorts bereits erprobt, nimmt das Baudepartement die Herausforderung zur Mobilitätsbeeinflussung an.