Am 1. Oktober wird die Schnellstrasse Wagen - Schmerikon dem Verkehr übergeben

Eine Geschichte verpasster Chancen

Am 18. bis 20. September wurde die Autostrasse H8 von Jona/St. Dionys über Wagen und Eschenbach nach Schmerikon feierlich eröffnet. Dem VCS ist nicht nach Feiern zumute: Das Bauwerk ist von gebrochenen Versprechen gesäumt.

Vorausgegangen war ein jahrelanges Tauziehen mit engagierter Beteiligung der VCS-Sektion St. Gallen/Appenzell und ihrer Regionalgruppe See und Gaster. Ein kantonales Referendum und Rechtsstreitigkeiten bis vor Bundesgericht prägten Anfang der 90er-Jahre die Auseinandersetzung um den Bau der H8. Hauptstreitpunkte waren die Verkehrsprognosen beziehungsweise die erwartete Entlastungswirkung, fehlende flankierende Massnahmen auf dem bisherigen Strassennetz und der zu grosszügige Ausbaustandard der Strasse mit den entsprechenden ökologischen Auswirkungen.

Nach dem knapp verlorenen Abstimmungskampf verbuchten die Umweltverbände vor Bundesgericht einen Erfolg: Eine für den H8-Bau notwendige Rodung wurde wegen Verfahrensmängeln zurückgewiesen. Doch die Umweltverbände boten Hand für einen Vergleich: In einer Vereinbarung mit dem Baudepartement und den Gemeinden wurden gewisse Korrekturen im Strassenverlauf vorgenommen. Auf das Viadukt über den Aabach bei Neuhaus wurde verzichtet, die Strasse an schützenswerten Mooren und Rietflächen vorbeigeführt. Ausserdem einigte man sich auf die Schaffung einer Ausgangsbasis für die notwendigen flankierenden Massnahmen in den entlasteten Ortschaften: Der Wettbewerb dazu wurde im Jahr 2000 durch das kantonale Tiefbauamt unter Beteiligung der betroffenen Gemeindeammänner und des VCS durchgeführt. Als eindeutiger Sieger ging das Projekt «88 Ideen» der Arbeitsgemeinschaft ASA, Rapperswil, und Metron, Brugg, daraus hervor. Idee über Idee für eine Aufwertung der Dörfer Eschenbach, Neuhaus, Schmerikon sowie Wagen und St. Gallenkappel: Rückbau der Ortsdurchfahrten, Verkehrsberuhigung, bessere Integration der Strassen in das Ortsbild!

Inzwischen ist die Autostrasse gebaut, doch innerorts sieht es immer noch gleich aus. Von all den Massnahmen zur dauerhaften Verkehrsverlagerung, von auflagereifen Projekten keine Spur! Die Gemeinde Eschenbach begnügt sich nun mit der Beobachtung der Verkehrsmengen, während Jona flankierende Massnahmen in Wagen überhaupt für unnötig erachtet. Schmerikon übt immer noch an Gestaltungskonzepten für Hauptstrasse und Bahnhofplatz. Verpasste Chancen, gebrochene Versprechen.

Bald wird man wissen, ob die in der Abstimmungsbotschaft abgegebenen Prognosen eintreffen: 42 % weniger Verkehr in Wagen, rund 31 % weniger in Eschenbach (Lenzikon), minus 48 % bzw. 78 % in Schmerikon und Bollingen (während St. Gallenkappel 7 % Mehrverkehr zu gewärtigen haben soll).

Der VCS war und ist skeptisch: Der grossräumige Durchgangsverkehr ist unbedeutend. Rund die Hälfte aller Autofahrten entfallen auf Strecken unter 5 km Länge; diesen Verkehr wird die H8 nicht übernehmen. Zudem dürfte ohne flankierende Massnahmen ein Teil des Verkehrs zwischen Uznach und Jona weiterhin über die kürzere Strecke durch Schmerikon rollen.

Andreas Bernhardsgrütter

Ohne flankierende Massnahmen ist alles für die Katz

Erfahrungsgemäss sorgt der Bau neuer Schnellstrassen für Mehrverkehr. Bleiben flankierende Massnahmen in den Dörfern aus, weisen sie oft schon nach wenigen Jahren wieder ähnlich viel Verkehr auf wie zuvor. Man denke an Rapperswil/Jona mit seiner Nordumfahrung: Rapperswil / Jona hatte nach zwei Jahren wieder gleich viel Verkehr, wie vor Eröffnung der Umfahrung!

Die 250 Millionen Franken für den Bau der H8 eine Fehlinvestition, die neue Wunde im Landschaftsbild ein Opfer ohne Gegenwert?