VCS Sektion St. Gallen / Appenzell und Regionalgruppe See und Gaster:
Flankierende Massnahmen H8: ungenügende Umsetzung
Jona, St. Gallen, 1. Mai 2002. Ein Ideenwettbewerb sollte dafür sorgen, dass wirkungsvolle flankierende Massnahmen zur dauernden Entlastung der umfahrenen Dörfer der neuen H8 führen. Die nun vorgestellten Projekte reichen nach Meinung des Verkehrs-Clubs der Schweiz nicht aus, dieses Ziel zu erreichen, und sie entsprechen auch nicht dem Wettbewerbsergebnis. Der VCS erwartet von den Behörden die Verwirklichung weitergehender Massnahmen im Sinne des Siegerprojektes "88 Ideen".
Im Herbst 2003 wird die Autostrasse H8 zwischen Schmerikon und St. Dionys eröffnet. Ziel dieses Bauwerkes ist es, die Ortschaften Schmerikon, Neuhaus, Eschenbach und Wagen weitgehend vom Verkehr zu entlasten. Dieses Ziel kann nur mit wirkungsvollen und einschneidenden flankierenden Massnahmen auf dem bestehenden Strassennetz erreicht werden. Beispiele bei anderen Ortschaften haben gezeigt, das ohne solche Massnahmen die entlasteten Dörfer nach einer anfänglichen Verkehrsentlastung wieder ein starkes Verkehrswachstum zu erwarten haben. Aus diesem Grund hat die VCS Sektion St. Gallen / Appenzell eine Vereinbarung mit der Gemeinde Eschenbach und dem Baudepartement des Kantons St. Gallen geschlossen, in denen solche Massnahmen zugesichert wurden. Unter anderem auf Grund dieser Vereinbarung hat der VCS seine Einsprache gegen den Bau der H8 zurückgezogen, mit welcher er zuvor vor Bundesgericht Recht bekam.
Ende 2000 wurde auf Grund dieser Vereinbarung ein Ideenwettbewerb unter sechs ausgewiesenen Fachteams durchgeführt, in denen das Siegerprojekt des Teams ASA, Rapperswil und Metron, Brugg auserkoren wurde. In diesem Wettbewerb waren im Beurteilungsgremium hochrangige Vertreter des Tiefbauamtes, die Gemeindammänner von Eschenbach, Jona Schmerikon und St. Gallen-kappel sowie ein Vertreter des VCS und externe Fachleute eingebunden. Das Siegerprojekt "88 Ideen" enthielt zahlreiche Vorschläge, wie die Ortskerne attraktiver gestaltet und der Verkehr auf die Umfahrung gelenkt werden kann.
Inzwischen sind erste Projekte vorgestellt worden. Diese entsprechen aber nicht den Ergebnissen des Wettbewerbes. So ist beispielsweise in Eschenbach am Sternenplatz ein Kreisel vorgesehen, obwohl keines der drei rangierten Projekte einen solchen Vorschlag machte. In Schmerikon sind mit der vorgeschlagenen Sanierung der Kreuzung Neue Eschenbacherstrasse / Seestrasse und dem Kreisel Autobahnzufahrt / St. Gallerstrasse erst wenige konkrete Aussagen bekannt. Der Verkehrs-Club der Schweiz hat grosse Vorbehalte gegenüber den vorliegenden Projekten. Der grosse Kreisel in Eschenbach ist kaum ortsbaulich in die gewachsene Dorfstruktur zu integrieren und führt nicht dazu, dass die Ortsdurchfahrt vom Verkehr gemieden wird. Ebenso stellt der VCS den Kreisel bei der Autobahnausfahrt Schmerikon in Frage, weil damit keine Bevorzugung des Verkehrs Richtung Autostrasse erreicht werden kann.
Der VCS hält fest, dass die bislang vorgestellten Massnahmen nicht genügen, um die anvisierte Verkehrsentlastung zu erreichen. Nötig wären flächendeckende Massnahmen auf dem gesamten innerörtlichen Hauptstrassennetz, welche gleichzeitig zu einer ortsbaulichen Aufwertung der Ortskerne führen würden. Erst dadurch kann der durch die Verkehrsentlastung entstehende Gestaltungsspielraum auch genutzt und die Dörfer wieder attraktiv gestaltet werden. Der Kanton stellt sich auf den Standpunkt, dass solche Massnahmen durch die Gemeinden zu finanzieren sind. Absehbar ist, dass sie dann nie kommen werden. Eineinhalb Jahre vor Eröffnung der Umfahrung H8 sind denn auch solche Projekte bislang nicht öffentlich präsentiert worden.
Der VCS ist enttäuscht über die bisherigen Schritte in Sachen flankierende Massnahmen H8. Die vorgestellten Projekte basieren nicht mehr auf einem Gesamtkonzept. Sie reichen nicht aus, um die angestrebte und im Abstimmungskampf versprochene Verkehrsentlastung zu sichern. Der VCS erwartet von den Behörden, die Verwirklichung von weitergehenden Massnahmen im Sinne des Wettbewerbsprojektes "88 Ideen".
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Umstrittene Verkehrsprognosen
Was bringt die Umfahrung? Diese Frage stand im emotional geführten Abstimmungskampf zwischen den Strassengegnern und den Befürworter im Zentrum.
Die Umfahrung bringe nicht die erhoffte Entlastung, weil der meiste Verkehr Ziel- und Quellverkehr ist und nicht auf die Umfahrung geht, meinte der VCS. Die Befürworter pochten aber auf ihr Verkehrsgutachten und argumentierten mit Verkehrsabnahmen in den Dörfern um bis zu 85 Prozent.
Nach der knapp verlorenen Abstimmung nehmen wir natürlich die damaligen Befürworter beim Wort; auch was die versprochenen flankierenden Massnahmen zur H8 angeht. Diese wurden im Abstimmungskampf zugesichert. Diese Massnahmen sollen dazu beitragen, dass die Verkehrsprognosen des Baudepartementes auch eingehalten werden können.
Angaben gemäss UVB 1996
Strassenverkehrszählung 2000:
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DTV *1995 / 2000 ohne Umfahrung
Fzg / Tag
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DTV 2005 mit Umfahrung
Fzg / Tag
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DTV 2003 Okt.
Verkehrszählung
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St. Gallenkappel Dorfzentrum
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8'080
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7'920
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8'700
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Neuhaus Rickenstrasse
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*9'400
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4'590
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Eschenbach Rütistrasse
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*4'950
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4'500
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Eschenbach Rickenstrasse
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11'408
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4'590
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7'800
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Eschenbach Rapperswilerstrasse
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*9'650
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3'360
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Wagen Rickenstrasse
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*9'650
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3'360
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Schmerikon Hauptstrasse Dorf
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17'725
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2'250
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10'800
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Bollingen T17 entlang See
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*11'960
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1'390
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Eine erste Verkehrszählung hat gezeigt, dass die neue Strasse viel Mehrverkehr ins Linthgebiet gebracht hat. Die Entlastungsziele in den umfahrenen Dörfern wurden deutlich verpasst.
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flankierende Massnahmen T8/A8
Der Wettbewerb
Klares Ergebnis, klare Empfehlungen des Preisgerichtes
Den Ideenwettbewerb flankierende Massnahmen zur T8/A8 wurde unter sechs eingeladenen Teams durchgeführt. Als Siegerprojekt ging die Arbeit "88 Ideen" der Planungsbüros ASA in Rapperswil und Metron in Brugg hervor.
Das Preisgericht unter dem Vorsitz von Kantonsingenieur Urs Kost empfahl im Beurteilungsbericht, dass im Sinne des Wettbewerbsprogrammes die erstrangierte Arbeit für die Weiterentwicklung des Konzeptes für flankierende zur T8/A8 (H8) heranzuziehen sei. Im weiteren sollen die Gewinner bei der Projektierung solcher Massnahmen als verkehrstechnische und gestalterische Begleiter beigezogen werden.
Der Wettbewerbsgewinner hat beispielsweise im Dorfzentrum von Schmerikon die Fahrbahn optisch aufgehoben und über einen Platz geführt werden. Die Sternenkreuzung in Eschenbach wurde entsprechend der geringer erwarteten Verkehrsmenge reduziert.
Von solchen Ideen blieb in der Zwischenzeit wenig übrig. Ebensowenig wurden die Wettbewerbsgewinner im Sinne des Antrages der Jury bei der Weiterentwicklung dieser Massnahmen beigezogen. Sollte sich daran nichts mehr ändern, wird sich der VCS es überlegen müssen, ob er künftig derartige Vereinbarungen noch eingeht.
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Reaktionen zur Stellungnahme des VCS
Dürftige Ausreden!
Eschenbach, 5. Mai 2002/ Die Stellungnahme des VCS verursachte im Linthgebiet einigen Wirbel und erreichte sogar die Spalten der NZZ. Die Erklärungsversuche des von der Linth-Zeitung befragten Gemeindepräsidenten Alois Bühler sowie des von der NZZ zitierten Kantonsingenieurs Urs Kost sind aber wenig überzeugend - zeigen jedenfalls nicht vom Willen, eingegangene Vereinbarungen mit dem VCS zum Wohle der betroffenen Bevölkerung umzusetzen.
So meinte etwa Urs Kost, dass die Umsetzung flankierender Massnahmen alleinige Sache der Gemeinden sei. Dies ist falsch: Die betroffenen Strassen bleiben auch nach der Eröffnung der Umfahrung mit wenigen Ausnahmen Staatsstrassen. Der Kanton übt weiterhin die Verantwortung über diese Strassen aus. Es ist aus verkehrsplanerischer Sicht Sach- und Fachgerecht, wenn der Strassenausbau der neuen verminderten Funktion als reine Ortsverbindungsstrasse mit hoffentlich kleinem Verkehrsvolumen angepasst wird. Es ist auch nicht treuhänderisch und effizient, eine Viertelmilliarde in den Bau einer Umfahrung zu stecken, um nachher für flankierende Massnahmen keine Mittel bereit zu stellen, welche erst die langristige Wirksamkeit dieser Umfahrung sicherstellen.
Geradezu als Provokation muss die Aussage von Alois Bühler verstanden werden, wonach mit dem VCS allein die Durchführung eines Wettbewerbes vereinbart wurde, aber nicht dessen Umsetzung. Dies heisst, Baudepartement und Gemeinde Eschenbach hatten gar nicht den Willen, solche flankierenden Massnahmen umzusetzen. Der Wettbewerb wurde als reine Alibiübung durchgeführt, um vom VCS einen Rückzug der Einsprache zu erreichen. Diese Auslegung sehen wir als klaren Verstoss von Treu und Glauben. Ebenso stossend ist die Aussage von Bühler, dass auf den Strassen Eschenbachs auch nach der Umfahrung 10'000 Fahrzeuge verkehren und daher der Strassenausbau verkehrsbetont belassen werden soll. Heute verkehren auf der am höchsten belasteten Hauptstrasse in Eschenbach, der Rickenstrasse 11'500 Fahrzeuge. Gemäss Prognosen des Umweltverträglichkeitsberichtes (UVB) zur T8/A8 werden auf Eschenbach's Hauptstrassen nach Eröffnung der Umfahrung 3'000 bis 5'000 Fahrzeuge fahren. Wenn Alois Bühler jetzt schon mit dem doppelten Verkehrsvolumen als versprochen rechnet und keine wesentliche Verkehrsreduktion annimmt, warum wurde überhaupt eine Umfahrung gebaut ? Uns sind noch die Versprechungen aus dem Abstimmungskampf auch von Alois Bühler zur T8/A8 im Ohr: wie ruhig es dann doch in den Dörfern werde.
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