St. Gallen und Gossau, 2. April 2003. Der projektierte Kreisel auf der Staatstrasse Nr. 2 an der Kreuzung St. Gallerstrasse/Andwilerstrasse stellt ein eigenartiges Unikum dar. Eine separat geführte Spur am Kreisel vorbei widerspricht dem Kreiselgrundgedanken, führt zu grossen Umwegen für die Fussgänger und verschlingt unnötig viel Land. Der Verkehrs-Club der Schweiz regt an, ein Kreiselprovisorium ohne Bypass zu erstellen und Erfahrungen damit zu sammeln, bevor eine definitive Lösung ins Auge gefasst wird.
Ein Kreisel ist ein Kreisel ist ein Kreisel. Möchte man meinen, doch der Kanton St. Gallen lehrt es uns anders. Beim Kreisel treffen verschiedene Strassen aufeinander und werden gleichberechtigt miteinander verbunden. Erfahrungen mit den modernen Verzweigungen haben die St. Gallerinnen vorwiegend in den Kantonen Thurgau und Appenzell Ausserrhoden sammeln können. Aber auch im Kanton St. Gallen macht der Kreisel Schule. Und er geht auch gleich neue Wege: beim neusten Projekt Andwilerstrasse in Gossau wird neben einem klassischen Kreisel ein "Bypass" projektiert, d.h. eine kreuzungsfreie Spur am Kreisel vorbei von St. Gallen Richtung Andwil.
In einer Eingabe an den Regierungsrat hat die Sektion St. Gallen / Appenzell des VCS seine Bedenken gegenüber diesem Projekt dargelegt. Grundsätzlich befürwortet der VCS den Bau von Kreisel. Kreisel weisen keine Linksabbieger auf. Sie eliminieren damit eine gefährliche Fahrbeziehung und verflüssigen den Verkehr auf relativ tiefem Geschwindigkeitsniveau. Fussgänger können ohne langes Warten am Lichtsignal die Strasse queren.
Durch die Strasse neben dem Kreisel benötigt das vorliegende Projekt viel mehr Land als ein klassischer Kreisel. Damit wird unnötig viel Boden versiegelt. Von einem haushälterischen Umgang mit Bodenressourcen, wie es die Raumplanung und das Strassengesetzt vorschreibt, kann nicht gesprochen werden.
Dem Verkehrs-Club der Schweiz ist unverständlich, warum vom Grundgedanken des Kreisels (alle einmündenden Strassen werden gleichberechtigt behandelt) abgewichen wird. Falls Staus im Kreisel befürchtet werden, verursacht durch eine benachbarte Lichtsignalanlage, so ist das Problem anders anzugehen als mit einem Bypass. Vorerst soll mit einem Provisorium getestet werden, ob überhaupt solche Stausituationen eintreffen. Mit einem Provisorium könnte ohne grossen Aufwand und Landverbrauch rasch eine Verbesserung gegenüber der Ist-Situation erreicht werden. Wir zählen auf die gegenseitige Rücksichtnahme der Autofahrenden, die es durch Selbstregulation verstehen werden, die befürchteten Staus zu verhindern. Funktioniert der Kreisel auch ohne "Bypass", sparte der Kanton Kosten und Land und das ist sicher im Sinne von uns allen.
Margot Benz
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Für Fussgänger wird's schlechter
Die Fussgänger werden im Vergleich zu heute benachteiligt. Die vorgeschlagene Lösung führt zu grossen Umwegen für die Fussgänger. Diese müssen entlang der St. Gallerstrasse erst ein rechtes Stück Richtung Andwil gehen, drei Spuren überqueren und wieder eine Strecke zur St. Gallerstrasse zurücklegen. Die Autofahrerinnen würden durch das Projekt mit mehr Komfort beschenkt und die Fussgänger müssen mit noch weniger auskommen. Zudem wird die Überquerung der Andwilerstrasse gefährlicher. Es kann zu kritischen Situationen kommen, wenn ein Auto dem Fussgänger Vortritt gewährt und auf dem "Bypass" gleichzeitig ein Auto mit hoher Geschwindigkeit naht.
Auch Nachteile für Velofahrer
Auch für die Velofahrenden stellt das vorliegende Projekt eine unvorteilhafte Lösung dar. Heikle Situationen sind vorprogrammiert beim nötigen Spurwechsel von St. Gallen nach Gossau und bei der Fahrbeziehung Gossau-Andwil. Fährt die Velofahrerin aus dem Kreisel Richtung Andwil, trifft sie auf die von rechts kommende Spur aus St. Gallen. Die zwei Spuren werden auf eine verengt. Die Velofahrerin muss die Spur wechseln, was ziemlich riskant werden kann, wenn der Verkehr aus St. Gallen kommend hoch ist.
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