Gegenvorschlag des Bundesrates zur Avanti-Initiative

Ausbau der Stadtautobahn St. Gallen vorgesehen

Weitere Infos:

Pressemitteilung UVEK: 15. Mai 2002
Gegen Engpässe auf Autobahnen und in Agglomerationen

Faktenblatt UVEK: 15. Mai 2002
Engpässe Nationalstrassen
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NZZ: 16. Mai 2002
Bundesrat mit Gegenvorschlag zur «Avanti»-Initiative

Links:

Bundesamt für Strassen:
www.astra.admin.ch

Avanti-Initiative:
www.avanti-initiative.ch

Avanti-Gegenkommitee
www.avanti-nein.ch

St. Gallen, 17. Mai 2002. Der Bundesrat legt zur Avanti-Initiative der Automobilverbände TCS und ACS einen Gegenvorschlag vor. Dieser sieht vor, nicht wie gefordert eine zweite Gotthard-Autobahnröhre und eine sechsspurigen Ausbau der A1 zwischen Zürich und Bern voranzutreiben, sondern Kapazitätsgrenzen in den Agglomerationen zu beseitigen. Auch die Stadtautobahn St. Gallen soll zwischen Kreuzbleiche - St. Fiden ausgebaut werden.

Die grossen Verkehrsprobleme liegen nicht am Gotthard, sondern in den Agglomerationen. So verkraftet der Gotthard täglich rund 20'000 Fahrzeuge, städtische Autobahnteilstücke in Zürich, Basel, Bern, Genf oder auch St. Gallen 60'000 bis 80'000 Fahrzeuge. Die Prioritäten im Strassenbau sollen daher in die Ballungszentren gelegt werden und nicht an den Gotthard, wo Kapazitätsprobleme nur an wenigen Wochenenden auftreten.

Mit den hohen Wachstumszahlen auf dem Autobahnteilstück in St. Gallen sind die Kapazitätsgrenzen in absehbarer Zeit erreicht. Die Auswirkungen auf die Erreichbarkeit der Stadt und die Folgen auf das städtische Verkehrsnetz sind noch nicht absehbar.

Der Bundesrat hat mit dem Gegenvorschlag zur Avanti-Initiative 19 Autobahnteilstücke genannt, welche bis 2020 auch mit einem mässigen Verkehrswachstum überlastet sein dürften. Strassenausbauten und Kapazitätsausweitungen sind in erster Linie an diesen Orten vorgesehen. Darunter ist auch das Teilstück der A1 zwischen Kreuzbleiche und St. Fiden. Bei einem hohen Verkehrswachstum wird auch ein Ausbau der Strecke Neudorf - Meggenhus in Betracht gezogen.

Der Gegenvorschlag sieht vor, dass ein Jahr nach der Annahme der Vorlage ein detailliertes Bauprogramm vorgelegt werden muss. Die Abstimmung über die Avanti-Initiative dürfte im Jahr 2004 erfolgen.

Schwierige Verhältnisse

Ein allfälliger Ausbau der Stadtautobahn ist eine äusserst schwierige Angelegenheit, führt sie doch mitten durch die Stadt. Ein grosser Teil ist in Tunnels geführt, in einem Teilstück (Olma-St. Fiden) zerschneidet sie die Stadt in einem empfindlichen Gebiet. Die zahlreichen Ein- und Ausfahrten machen die Angelegenheit auch nicht gerade einfacher. Man darf deshalb gespannt sein, wie ein solcher Ausbau im Detail aussehen wird.

Agglomeration gesamthaft planen

Strassenausbauten müssen gemäss Gegenvorschlag auf einer Planung basieren, welche eine Agglomeration gesamthaft behandeln. Dabei ist eine Koordination zwischen motorisierten Individualverkehr (mIV) und Öffentlichem Verkehr zu gewährleisten. Zur Finanzierung von Ausbauten in den öffentlichen Nahverkehr sollen neu auch zweckgebundene Mittel aus Mineralölsteuer und Autobahnvignette verwendet werden können.

Andreas Bernhardsgrütter

Kommentar

Drehen an der Mobilitätsspirale

Der VCS hat in seiner Arbeit laufend mit neuen Einkaufszentren, Freizeitpärke und Parkgaragen zu tun. So werden in der Stadt St. Gallen jährlich 1'000 neue Parkplätze erstellt. Diese Entwicklung hat Folgen: jährliches Verkehrswachstum von ca. drei Prozent auf der Stadtautobahn führen über kurz oder lang zu Staus und Problemen in neuralgischen Stellen.

Diese Entwicklung soll nun nicht umgelenkt, sondern ihr soll mit einer Strassenbauoffensive begegnet werden. Die Mobilitätsspirale dreht unauhaltsam weiter, ohne Aussicht auf eine Trendumkehr.

Die Probleme in der Stadt sind sattsam bekannt: überlastete Einfallsachsen, hohe Konzentrationen an Luftschadstoffen und Lärmprobleme. Grössere Verkehrsleistung auf der Stadtautobahn bedeutet auch eine Verkehrszunahme an den Ein- und Ausfahrten und letztlich auch Mehrverkehr auf dem übrigen Strassennetz. Denn die Autos bleiben nicht auf der Autobahn, sie wollen zu den Parkplätzen in der Stadt.

Es erscheint fraglich, ob der Wettlauf neue Strassen gegen den Mehrverkehr überhaupt zu gewinnen und er volkswirtschaftlich zu finanzieren ist. Vielmehr werden beim Stopfen der Kapazitätsengpässe immer neue Engpässe geschaffen.

Immerhin ein Lichtblick ist, dass die Bemühungen mit dem öffentlichen Verkehr (und der Siedlungsentwicklung?) zu koordinieren sind. Vielleicht gibts neben einer dritten Autobahnröhre dank neuen Finanzierungsmöglichkeiten auch ein Tram oder eine Hochbahn in St. Gallen? Aus der Sicht des VCS wären Investitionen in einen leistungsfähigen öffentlichen Verkehr zu priorisieren und das Verkehrswachstum auf dem Strassennetz auf die Schiene zu lenken.

Vielleicht täte aber auch mal ein Gedanke daran gut, ob es Grenzen gibt, wieviel Verkehr einer Stadt und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner zugemutet werden darf.

Verkehrswachstum ist kein Naturgesetz, sondern Folge unserer Politik. Und hier sind wir wieder bei der täglichen Arbeit des VCS mit Parkplätzen, Einkaufszentren und Freizeitzentren.

Andreas Bernhardsgrütter