St. Gallen, 21. August 2002. Im Verkehrskonzept Altstätten wird mit zu grosser Kelle angerichtet. Dieses Fazit zieht die Sektion St. Gallen/Appenzell des Verkehrs-Club der Schweiz nach einer Orientierung durch die Gemeinde. Der VCS anerkennt dabei die Bemühungen für einen zeitgemässen, erneuerten Bahnhof. Die Schliessung des Überganges Alte Landstrasse darf aber nicht zu einer Kettenreaktion führen, die erst mit der Strasse 2000 ihr Ende findet. Zum Schutz der Landressourcen und angesichts der finanziellen Situation von Altstätten ist Masshalten angesagt. Namentlich die Entlastungsstrasse Nord ist unnötig.
Die Sanierung und Erneuerung des Bahnhofes Altstätten machte die Überprüfung der Verkehrsplanung notwendig. Eine ganzheitliche Planung sollte es werden, doch finden sich im Verkehrskonzept weder Angaben über Velo- und Fussgängerverbindungen noch über die Aufgabenteilung von öffentlichem und individuellem Verkehr. Am Ende der Vernehmlassung stehen vier Projekte mit drei Bahnunterfüh-rungen und zwei neu angelegten Verbindungsstrassen. Die Projektierungskredite sind bereits genehmigt.
Der VCS liess sich überzeugen, dass zugunsten eines zeitgemässen Bahnhofes mit verlängerten und er-höhten Perrons die Schliessung des Überganges Alte Landstrasse unumgänglich ist. Eine Fussgänger- und Velounterführung mit direktem Zugang auf die Perrons als Ersatz bringt eine Verkehrsberuhigung in die südlich gelegenen Wohnquartiere. Gestoppt wird damit der Schwerverkehr ins Industriegebiet Süd, bedingt aber zugleich den Bau einer Verbindungsstrasse zwischen Oberrieterstrasse und Kriessernstrasse. Mit der Umfahrung Kriessern und dem Ausbau der Kriessernstrasse ist diese Strecke prädestiniert, den Verkehr von und zu der A13 aufzunehmen. Wenn die Entlastungsstrasse dazu führt, den Verkehr und namentlich den Schwerverkehr von Oberriet fernzuhalten und zur Kriessernstrasse zu lenken, kann der VCS der neuen Strasse einigen Sinn abgewinnen. Eine lastwagentaugliche Unterführung an der Brittlerenstrasse ist dazu aber nicht nötig. Hier würden Millionen verlocht nur um ein paar Minuten zu gewinnen. So zahlreich ist der Bahnverkehr nicht, dass mit grösseren Behinderungen gerechnet werden muss.
Die Entlastungsstrasse Nord mit zusätzlichem Anschluss östlich von Lüchingen lehnt der VCS ab. Das Industriegebiet Ost ist schon heute sehr direkt an die A13 angebunden. Eine bedeutende Verkehrs-entlastung ist nicht zu erwarten, weil die meisten Reisenden Altstätten zum Glück nicht umfahren wol-len, sondern als Ziel haben. Der Binnenverkehr, der Ziel und Quellverkehr macht sowohl an der Kriessernstrasse wie an der Rorschacherstrasse 85% aus. Die Vermutung liegt nahe, dass mit der Strasse ein erstes Stück der umstrittenen Strasse 2000 gebaut werden soll. Die Gemeinde betont denn ja auch, dass der Anschluss an jene Strasse gewährleistet wird. Der Verlust an Kulturland ist beim Bau der Strasse beachtlich. Die Beruhigung des Wohnquartiers Rhodsguet wird mit einer vermehrten Belastung im Quartier Roosen in Lüchingen wettgemacht. Unter dem Strich entsteht mehr Verlust als Gewinn.
Der Verkehrs-Club ruft zum Masshalten auf. Die Verkehrsplanung Altstätten darf nicht zum Jekami werden. 1. Priorität sollten der Schutz des Kulturlandes, die Verkehrsberuhigung in den Wohnquartieren und die Erneuerung des Bahnhofes haben.
Margot Benz
vollständige Stellungnahme hier
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weitere Artikel:
Der Rheintaler vom 22.8.02
Rheint. Volkszeitung vom 22.8.02:
Kommentar zum Artikel der Volkszeitung:
Der Verkehrs-Club der Schweiz ist empört über die tendenziöse und unsachliche Berichterstattung vom 22. August. Unsere Stellungnahme zum Verkehrskonzept Altstätten wurde verzerrt und zum Teil falsch wiedergegeben. Es wird dem VCS fehlende Ortskenntnis und Fachverstand vorgeworfen. Das Gegenteil ist der Fall. Verschiedene VCS-ExponentInnen haben sich seriös mit dem Verkehrskonzept auseinandergesetzt. Die Geschäftsleiterin hat von ihrem 20-jährigen Aufenthalt in Altstätten genügend Ortskenntnis. Auf Einladung der Gemeinde liessen sich drei VertreterInnen des VCS vor Ort über die Projekte orientieren und stellten fest, dass viel gute Planungsarbeit geleistet und eine detaillierte Verkehrserhebung erstellt wurde. Eine vertiefte Abklärung betreffend der Schliessung des Überganges Alte Landstrasse und die fachliche Unterstützung durch einen Verkehrsplaner führten uns zur Überzeugung, dass nicht alle Projekte des Verkehrskonzeptes gleichermassen vernünftig und verhältnismässig sind. Selbstverständlich ist auch die Einschätzung des Verkehrs-Clubs nicht der Wahrheit letzter Schluss, diese gibt es in der Verkehrspolitik nicht. Wir sind einer nachhaltigen Verkehrspolitik verpflichtet, einer Politik, die den Schutz der Natur und der Menschen im Blick hat.
Es bleibt noch richtigzustellen, dass die Entlastungsstrasse Nord nichts mit der Unterführung an der Brittlerenstrasse zu tun hat, wie im Artikel suggeriert wird. Sie wäre Teil der Entlastungsstrasse Süd zwischen Kriessernstrasse und Oberrieterstrasse. Wir meinen, dass diese lastwagentaugliche Unterführung viel Geld verschlingt, das andernorts sinnvoller eingesetzt werden könnte.
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