Pressekonferenz Kommitee Stopp Transit A13/E43
vom 10. Juni 2001 in Lustenau

S 18: Mit Vollgas in die falsche Richtung

Inhalt

Lustenau glaubt nicht an das Entlastungsmärchen
von Bernd Bösch, Vizebürgermeister der Marktgemeinde Lustenau

Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht
von Erwin Mohr, Gemeindepräsident der Marktgemeinde Wolfurt

Stellungnahme zur S18 der Arbeitsgruppe OMNIBUS
von Ursula Graf Frei, Kantonsrätin, Präsidentin OMNIBUS, Diepoldsau

Aktiv

Links / Weitere Infos:

Plattform gegen S18

Kommitee Stopp Transit A13/E43

10. bis 16. Juni 2002:
Verkehrspolitische Velotour
Bregenz - Bellinzona


Lustenau glaubt nicht an das Entlastungsmärchen

von Bernd Bösch, Vizebürgermeister der Marktgemeinde Lustenau 0043 5577 8181 120 / be.boesch@lustenau.at

Lustenau, 10.6.2002. Wahrend sich die Bevölkerung in den Alpentälern ringsum gegen den überbordenden Transitverkehr wehrt, soll im Rheintal nach dem Willen uneinsichtiger Politiker und Wirtschaftslobbyisten mit der S 18 eine Transitschleuse geöffnet werden.

Aus machtpolitischen Motiven wird an diesem Projekt aus der verkehrspolitischen Steinzeit festgehalten. Damit wird jede vernünftige und dringendst notwendige verkehrspolitische Diskussion im Rheintal blockiert, eine nachhaltige Zukunftsentwicklung wird verunmöglicht.

Längst ist erwiesen, dass mögliche positive Entwicklungen durch die S 18 in keinem Verhältnis zum Schaden stehen, den diese Trasse anrichten würde. Wertvolle Riedflächen wären unwiederbringlich zerstört, die Hauptverkehrsstrassen in den Städten und Gemeinden im Rheintal wären immer noch voll und der Transitverkehr würde rasant zunehmen.

Nicht umsonst wird die S 18 auch von der Lustenauer Gemeindevertretung abgelehnt. Lustenau glaubt nicht an das Entlastungsmärchen.


Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht

von Erwin Mohr, Gemeindepräsident der Marktgemeinde Wolfurt
0043 5574 684011 / erwin.mohr@wolfurt.at

Wolfurt, 10.6.2002. Die Bodensee-Schnellstraße S 18 soll eine internationale und hochrangige Verbindung der Rheintal-Autobahn A 14 (Österreich) und der Rheintal-Autobahn N 13 (Schweiz) herstellen. Damit wird fatalerweise vor allem dem Nord-Süd-Verkehr eine neue und attraktive Verkehrsroute angeboten.

Die Vorarlberger Verkehrspolitik schafft zusätzlich neue Anreize durch den Bau der 2. Tunnelröhre beim Ambergtunnel (bei Feldkirch) sowie dem geplanten Letzetunnel als Verbindung nach Liechtenstein und weiter auf die Schweizer Rheintal-Autobahn. Vor wenigen Wochen wurde auch die bisher im Vorarlberger Verkehrskonzept festgeschriebene Pförtnerwirkung des Pfändertunnels (einröhriger Tunnel) aufgehoben und eine entscheidende Weichenstellung in Richtung 2. Pfändertunnelröhre getroffen. Alle diese Maßnahmen zielen darauf ab, dem internationalen Verkehr eine neue und attraktive Nord-Süd-Verbindung anzubieten, welche die Dosierungsmassnahmen gegen den Schwerverkehr am San Bernardino unterläuft.

Nachdem sowohl beim Brennerübergang in Tirol wie auch bei der Tauernautobahn in Salzburg regelmäßig kilometerlange Staus entstehen, wird diese neue Verbindung durch das Rheintal und weiter über den San Bernardino sofort und ausgiebig frequentiert werden. Die Realisierung dieser Bauvorhaben wird deshalb noch nicht abschätzbare Auswirkungen auf unseren gesamten Lebensraum haben.

Die Bodensee-Schnellstraße S 18 ist darüber hinaus durch hochrangig schützenswerte Riedgebiete geplant und mit rund 6 km Länge die längste mögliche Variante, die vorstellbar ist. Sie wird deshalb von der Stadt Dornbirn, den Marktgemeinden Lauterach, Lustenau und Wolfurt sowie der Schweizer Ortsgemeinde Au, die große zusammenhängende Riedflächen im Trassenbereich besitzt, dezidiert abgelehnt.

Bei der Trassenverordnung wurde eine vorgesehene Umweltverträglichkeitsprüfung umgangen, die Ausweisung von Natura 2000-Gebieten wurde vom Land Vorarlberg verweigert, da damit die S 18-Trasse in der derzeitigen Form verunmöglicht würde. Diesbezüglich hat die Marktgemeinde Wolfurt eine Beschwerde bei der EU-Kommission in Brüssel eingereicht, die sehr erfolgversprechend ist. Das Land Vorarlberg bzw. die Republik Österreich wurden aufgefordert, jene Gebiete, die im Trassenbereich der S 18 liegen, nachzunominieren. Das Land Vorarlberg weigert sich dazu, es wird voraussichtlich zu einem Vertragsverletzungsverfahren gegen die Republik Österreich kommen.

Alle Gegner der S 18 hoffen, damit dieses internationale Straßenprojekt zu Fall zu bringen und damit einer sinnvollen und regionalen Verkehrslösung für das Untere Rheintal den Weg frei zu machen.


Stellungnahme zur S18 der Arbeitsgruppe OMNIBUS

von Ursula Graf Frei (Präsidentin), Bitziweg 5, CH-9444 Diepoldsau, 0041(0)71 733 27 22 / Fax 0041 (0)71 733 32 35 / ugraf@diewein.ch

Diepoldsau, 10.6.2002. Verkehrstechnisch hat das Rheintal vor allem eine Bedeutung als Nord-Süd-Verbindung. In diesem Sinne ist es für uns kaum nachvollziehbar, weshalb dem Bau der S18 soviel Bedeutung zugemessen wird.

Wenn die beiden parallel verlaufenden Rheintalautobahnen unbedingt verbunden werden müssen, so empfehlen wir, diese Verbindung an der schmalsten Stelle im Raume Altach, Mäder und Kriessern zu suchen.

OMNIBUS ist die Rheintalische Arbeitsgruppe für eine ausgewogene Verkehrspolitik und setzt sich für ein koordiniertes Vorgehen bei der Planung verschiedener Verkehrsträger ein.

Der überregionale Transitverkehr gehört zwar nicht zu unserem "Kerngeschäft". Wir sind uns aber bewusst, dass unsere Region Verursacherin und gleichzeitig Opfer von Verkehrsimmissionen ist. Es ist uns ein Anliegen - das Übergeordnete im Auge behaltend - zu guten Gesamtlösungen beizutragen. Erste Priorität hat selbstverständlich europaweit die Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene.

Schweizer Riet

Die S 18 ist umstritten. Grosse Widerstände rufen neben grundsätzlichen verkehrspolitischen Bedenken, vor allem die Eingriffe im "Schweizer Riet" hervor, ein Naturraum von hohem Wert. Grundeigentümerin des Schweizer Riet ist die Ortsgemeinde Au. Das Riet liegt auf Staatsgebiet von Österreich.

Fünf bedeutende "Parteien" haben den Naturschutzbescheid beeinsprucht:

  • Stadt Dornbirn
  • Gemeinden Wolfurt und Lauterach
  • die Ortsgemeinde Au
  • die Vorarlberger Naturschutzanwaltschaft

Vor der EU-Kommission läuft ein Verfahren "Natura 2000" zur Ausdehnung des Gebietes "Lauteracher Ried". Gibt die Kommission dieser Beschwerde stand, kann die S 18 nicht realisiert werden.

Das Land Vorarlberg lobbyiert in Wien und vermutlich auch in Brüssel für den Bau dieser Autobahnspange. Der Ausgang der Verfahren ist offen.

Auch die Regierung des Kantons St. Gallen hat sich wiederholt für den Bau der S18 ausgesprochen. Sie erhofft sich so bessere Verbindungen in der Agglomeration im zwischen St. Gallen und Bregenz, eine Entlastung von Diepoldsau sowie kürzere Wartezeiten und weniger Staus an den Zollübergängen.