St.Gallen, 6. September 2004. An einer Medienkonferenz kritisieren drei Wirtschaftsverbände die ersten Ergebnisse der Arbeiten am städtischen Richtplan und fordern eine zweite Ost-West-Verbindung für den motorisierten Verkehr. Für den VCS besonders stossend: Während sich diverse Parteien und Interessenverbände in einer Begleitkommission zur Revision des Richtplans intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben, beschränkten sich die Wirtschaftsverbände im Nachhinein auf abstruse Ideen und Szenarien aus der Mottenkiste des letzten Jahrhunderts.
Die St. Gallerinnen und St. Galler haben bereits 1993 mit einem
deutlichen Mehr von 63 Prozent die Idee einer Südumfahrung verworfen. Seither hat in breiten Kreisen die Einsicht zugenommen, dass neue Strassenvorhaben bestehende Verkehsprobleme nicht beheben, sondern bestenfalls verschieben können. Bei Tunnelprojekten an die jeweiligen Ein- und Ausfahrtsportale. Die Wirtschaftsverbände müssen sich die Frage gefallen lassen, wessen Interessen sie vertreten. Eine Südumfahrung dient weder den direkt betroffenen Anwohnerinnen und Anwohnern noch der Stadt St. Gallen insgesamt. Profitieren würden in erster Linie Einkaufszentren und Fachmärkte im Osten und Westen der Stadt, auf Kosten der innerstädtischen Fachgeschäfte. St. Gallen wird so auf ein Verkehrshindernis reduziert, das es zu, um- bzw. unterfahren gilt.
Die Wohn- und Wirtschaftsregion zwischen Goldach und Gossau - mit St. Gallen als Drehscheibe - hat durchaus Bedarf an einer leistungsfähigen Ost-West-Verbindung. Es sollte dabei aber jenes Verkehrsmittel zum Einsatz kommen, das diese Aufgabe am effizientesten und kostengünstigsten zu bewältigen vermag, einen Beitrag zur Entlastung der Stadtautobahn leisten kann und auch den Stadtbewohnerinnen- und bewohnern einen Vorteil bringt. Die Wirtschaftsverbände greifen auf Konzepte aus dem letzten Jahrhundert zurück, statt zukunftsweisende Ideen zu lancieren, wie zum Beispiel eine Tramverbindung zwischen Gossau und Goldach/Wittenbach. Dies zeigt, dass die Pressekonferenz von letzter Woche in erster Linie ein Manöver im Rahmen der Stadtratswahlen war. Leider ein ganz verkehrtes.
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Kommentar
Kindisches Getue
Da startet die Stadt St. Gallen einen wichtigen Planungsprozess und lädt alle massgeblichen Kräfte ein, ihren Beitrag in der Diskussion um die künftige Entwicklung der Stadt St. Gallen zu leisten. In verschiedenen Workshops wurden die Interessenvertreter eingeladen, ihre Meinung und Absichten im Zusammenhang mit der städtischen Richtplanung einzubringen.
Was machen nun Wirtschaftsverbände, SVP und FdP? Sie boykottierten unter fadenscheinigen Argumenten diese Veranstaltungen. Wie es sich zeigte, wollten die Exponenten freie Hand, um realistische Vorschläge später abzuschiessen. Mit Gesprächsverweigerung wurden noch nie Lösungen erarbeitet. Noch weniger mit Luftschlössern wie einer neuen Schnellstrasse zwischen Goldach und Gossau parallel zur Autobahn, die wohl Milliarden kosten würde, welche aber weder finanzier- noch realisierbar ist und zu schlechter Letzt unsere Verkehrsprobleme nicht löst.
Dass die SVP die Politik eines Wadenbeissers versteht, mag nicht erstaunen. Dass aber selbst die im Stadtrat über Gebühr vertretene ehemals staatstragende FdP diese Politik mitmacht, ist mehr als bedauerlich und zeugt - neben fehlendem Sachverstand - von einer recht armseligen politischen Kultur in dieser Stadt.
Andreas Bernhardsgrütter
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