Resolution der MV der VCS Sektion St. Gallen / Appenzell vom 24. Mai 2002, Winkeln – St. Gallen

Resolution für flächendeckende Parkplatzbewirtschaftung

Weitere Infos zur MV vom 24. Mai in St. Gallen / Winkeln

Von der Mitgliederversammlung einstimmig verabschiedet:

Die Mitgliederversammlung des Verkehrs-Club der Schweiz, Sektion St. Gallen / Appenzell fordert die Regierungen der Kantone St. Gallen / Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden auf, eine flächendeckende monetäre Bewirtschaftung von öffentlich zugänglichen Parkplätzen ab 150 Parkplätzen einzuführen.

Begründung:

Verkehr reduzieren

  • Untersuchungen haben gezeigt, dass mit einer Einführung einer flächendeckenden Bewirtschaftung von Kundenparkplätzen mit mind. 2.- Fr. / h sich die Fahrleistung bei publikumsintensiven Einrichtungen wie Einkaufszentren, Freizeitzentren, Fachmärkte um 9 bis 13 Prozent reduzieren lässt. Die Bewirtschaftung von Parkplätzen ist eine wirksame Massnahme zur Reduktion des Einkaufs- und Freizeitverkehrs.

Verursacherprinzip durchsetzen

  • Ein Parkplatz kostet jährlich (Verzinsung, Amortisation, Betrieb, Unterhalt) zwischen Fr. 1'000.- (oberirdischer Parkplatz) und Fr. 3'000.-. Mit Gratisparkplätzen werden motorisierte Kunden auf Kosten von umweltfreundlich anreisenden Kunden subventioniert.

Gegen Wettbewerbsverzerrung

  • Während in den Stadtzentren eine monetäre Bewirtschaftung von Parkplätzen die Regel sind, kann man bei den Einkaufszentren auf der grünen Wiese vielfach noch gratis parkieren. Dies verschafft den Einkaufszentren einen Wettbewerbsvorteil gegenüber dem Gewerbe in den Städten;
  • Bei neueren Einkaufszentren ist eine Bewirtschaftung von Parkplätzen Pflicht, bestehende Einkaufs- und Vergnügungszentren profitieren aber noch von der Möglichkeit von Gratisparkplätzen. Es besteht eine unbegründete Wettbewerbsverzerrung.

Gesetzliche Bestimmungen durchsetzen

  • Die im Umweltschutzgesetz verankerte Sanierungspflich ist von den Behörden durchzusetzen. Die entsprechenden Fristen sind inzwischen abgelaufen. Die bis anhin von den Regierungen übliche Nichtbeachtung ihrer eigenen Massnahmenplänen zur Luftreinhaltung ist staatspolitisch bedenklich.

Parkplatzbewirtschaftung ist wirksam:

Mit einer Bewirtschaftung der Parkplätze von publikumsintensiven Einrichtungen kann das Verkehrsaufkommen wirksam reduziert werden. Dies hat ein Forschungsauftrag ergeben, welcher im Auftrag des Departementes für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) durch das Ingenieurbüro Metron AG erstellt wurde. Mit Befragungen von Kunden und Zentrumsleiter von 15 ausgewählten Einkaufs- und Vergnügungszentren wurde ermittelt, ob eine flächendeckende Parkplatzbewirtschaftung das Verhalten der Kunden verändert.

Die Ergebnisse zeigen, dass bei Bewirtschaftungsbeiträgen von Fr. 2.- / h die Fahrleistung (PWkm) um 9 bis 13 Prozent reduziert wird. Bei Beiträgen von Fr. 4.- / h liegt die Reduktion bei 11 bis 16 Prozent.

Die Kunden gaben an, bei einer Bewirtschaftung von Parkplätzen einen nahes Einkaufsangebot zu benutzen oder ihre Einkäufe zu bündeln.

Ein weiteres Ergebnis dieser Arbeit war, dass der Anteil von Kunden zu Fuss, mit dem Velo oder dem öffentlichen Verkehr an integrierten Standorten in Stadtzentren vier mal höher ist, als an abgelegenen Standorten an Autobahnausfahrten. Hier kommen durchschnittlich 93 Prozent der Besucher mit dem Auto.

Andreas Bernhardsgrütter


Literaturhinweis:

Metron Verkehrsplanung AG Brugg im Auftrag des UVEK, Bundesamt für Strassen: Parkplatzbewirtschaftung bei "publikumsintensiven Einrichtungen" Auswirkungsanalyse, Forschungsauftrag SVI 2000/383 auf Antrag der Vereinigung Schweizerischer Verkehrsingenieure, Brugg: Januar 2002